An(ge)dacht-Taufe

Eigentlich müsste es ein Fluss sein, der durch unsere Kirche fließt, denn in der biblischen Überlieferung tauft Johannes Menschen im Jordan - auch Jesus. Mit dem Abtauchen in den Fluss, um als neue Existenz wieder herauszukommen, wurde die Botschaft Johannes des Täufers von der Umkehr auch äußerlich sichtbar vollzogen und so der Ursprungsgedanke der Taufe begründet: das Eintauchen in die Welt Gottes, in das Leben als Kind Gottes. Denn als Jesus getauft wird, so berichtet Markus, tat sich der Himmel auf und eine Stimme sprach: „Du bist mein geliebtes Kind“. Das ist die Zusage Gottes an jeden Menschen und wir verstehen die Taufe als Antwort auf diese Zusage, unser Ja zu Gott.

Da üblicherweise bei uns Kleinkinder getauft werden, die diese Antwort noch nicht selber sagen können, wurde die Konfirmation erfunden, in der die Jugendlichen dieses Ja ihrer Eltern selber bestätigen. Aber auch, wenn das nicht geschieht, bleibt die Taufe. Sie ist ein Sakrament und das sind im juristischen Sinne nicht auflösbare Verträge. Gottes Zusage an den Menschen nimmt er nicht zurück, hält es aber aus, dass wir uns auch anders entscheiden. Aber gerade diese Zusage Gottes ist für viele Eltern der Grund der Taufe: unser Kind soll gesegnet, behütet, beschützt durchs Leben gehen in der Gewissheit: „einer geht immer mit, ders Leben kennt, der mich versteht“, wie es in einem Lied heißt.

Photos: J. Göttges

Unser Taufbecken versucht diese Aspekte auch sichtbar zu machen. In die Taufschale ist das Wort Gottes eingraviert: Du bist mein geliebtes Kind. Vorne auf dem Taufbecken sind zwei Tauben zu sehen. Eine, die von oben nach unten kommt und den Geist Gottes symbolisiert und die andere, die als unsere Antwort darauf den Weg nach oben sucht. Auf der anderen Seite des Taufbeckens ist das Schepken Christi zu sehen, das Signe unserer Kirche. Denn mit der Taufe wird auch die Zugehörigkeit zur Gemeinde und zur Kirche begründet. Darum taufen wir auch – so gut es geht – in den Gottesdiensten, um den Bezug zur Aufnahme in die Gemeinde deutlich zu machen.

Dafür kann man das Taufbecken mit zwei Griffen tragen und in die Mitte der Gemeinde stellen. Das Taufbecken wurde 2008 von dem Mündener Kunstschmied Dieter Vetter gestaltet und gefertigt. Es gehört zu den wenigen in unserer reformierten Kirche symbolträchtigen Gegenständen, die auch eine Botschaft vermitteln. Und wenn man genau hinschaut, sieht man auch die Wellen eines Flusses, der zwar nicht durch die Kirche fließt, aber als Fluss des Lebens durch jeden großen und kleinen Menschen geht, der an diesem Becken getauft wurde.

      Bleiben Sie behütet

                  Ihr Ernst-U. Göttges